Wissensbasis

Professionelles Mahnwesen:Was du wirklich wissen musst

§286 BGB, Verzugszinsen, Mahnstufen, €40-Pauschale — hier bekommst du alles, was Freelancer, Handwerker und Selbstständige über rechtssichere Mahnungen wissen müssen. Praxisnah, ohne Juristendeutsch.

12,62 %
Verzugszins p.a. (B2B, 2026)
€ 40
Schadenspauschale (§288 Abs. 5)
30 Tage
B2B Verzug ohne Mahnung (§286 Abs. 3)
3 Stufen
Empfohlene Mahnlogik vor Inkasso

Die wichtigsten Paragraphen

Diese vier BGB-Normen bilden das Fundament jedes professionellen Mahnverfahrens.

§ 286 BGBKernnorm

Verzug des Schuldners

Gerät ein Schuldner nach Fälligkeit und Mahnung in Verzug, schuldet er Schadensersatz für den entstandenen Schaden. Im B2B-Bereich tritt Verzug automatisch 30 Tage nach Fälligkeit ein — ohne gesonderte Mahnung (§286 Abs. 3 BGB).

§ 288 BGBZinsen

Verzugszinsen

Geldschulden sind ab Verzugseintritt mit 9 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz (§247 BGB) zu verzinsen — im B2B-Bereich. Für Verbraucher gilt ein niedrigerer Satz von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz.

§ 288 Abs. 5 BGBPauschale

€40 Schadenspauschale

Bei Geschäften zwischen Unternehmen hat der Gläubiger Anspruch auf eine Pauschale von 40 Euro als Entschädigung für den Verzugsschaden. Diese entfällt nicht auf etwaige Zinsen und ist auch ohne Nachweis eines konkreten Schadens fällig.

§ 247 BGBAktuell

Basiszinssatz

Der Basiszinssatz wird von der Deutschen Bundesbank halbjährlich zum 1. Januar und 1. Juli angepasst. Stand 01.01.2026: 3,62 %. Damit ergibt sich ein aktueller Verzugszinssatz von 12,62 % p.a. im B2B-Bereich.

§286 + §288 + §247 BGB

Verzugszinsen berechnen

Der gesetzliche Verzugszinssatz im B2B-Bereich berechnet sich als:

Formel:
Zinsen = Betrag × (Basiszins + 9 %) × Tage / 365

Aktuelles Beispiel (2026): Eine offene Rechnung über 5.000 € ist seit 45 Tagen überfällig. Basiszinssatz: 3,62 %. Verzugszinssatz: 12,62 % p.a. → 77,77 € Verzugszinsen.

1.000 € × 30 Tage10,39 €
2.500 € × 45 Tage38,88 €
5.000 € × 60 Tage103,68 €
10.000 € × 90 Tage311,01 €

Basiszinssatz 3,62 % (Stand 01.01.2026) → Verzugszins 12,62 % p.a.

Der Mahnprozess Schritt für Schritt

Ein strukturiertes, eskalierendes Mahnverfahren ist die wirksamste Methode, offene Forderungen einzutreiben — ohne Anwalt, ohne Gericht.

1
Zahlungserinnerung1–7 Tage überfällig

Freundliche Erinnerung ohne Androhung von Konsequenzen. Rechtlich nicht notwendig, aber bewahrt die Kundenbeziehung.

2
1. Mahnung8–21 Tage überfällig

Offizielle Mahnung setzt den Schuldner in Verzug (§286 BGB). Verzugszinsen laufen ab. Mahngebühr kann erhoben werden.

3
2. Mahnung22–35 Tage überfällig

Erhöhter Druck, erneute Fristsetzung. Androhung weiterer Schritte. Zusätzliche Mahngebühr nach §288 Abs. 5 BGB möglich.

4
Letzte Mahnung36–45 Tage überfällig

Letzte Frist vor gerichtlichen Schritten oder Inkasso-Übergabe. Klare Androhung des nächsten Schrittes mit konkretem Datum.

5
Inkasso-ÜbergabeAb ~45 Tagen

Übergabe der Forderung an ein Inkassounternehmen. Die Inkassokosten trägt bei Obsiegen der Gläubiger der Schuldner.

💡
B2B: 30-Tage-Regel (§286 Abs. 3 BGB)

Im Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen tritt Verzug automatisch 30 Tage nach Fälligkeit ohne gesonderte Mahnung ein — sofern auf der Rechnung auf diese Regelung hingewiesen wurde. Die Zahlungserinnerung ist trotzdem empfohlen, da sie die Zahlungsquote signifikant erhöht.

Welche Gebühren darf ich erheben?

Das Gesetz erlaubt dir als Gläubiger verschiedene Kostenpositionen — viele werden aus Unwissenheit gar nicht geltend gemacht.

Wichtigste Position
€ 40 Schadenspauschale
§288 Abs. 5 BGB

Pauschal pro Mahnfall, ohne Nachweis eines konkreten Schadens. Gilt ausschließlich im B2B-Bereich. Entfällt auf etwaige Zinsen.

Pro Schuldner, nicht pro Mahnung
Verzugszinsen
§288 Abs. 1 & 2 BGB

9 % über Basiszinssatz (B2B) bzw. 5 % über Basiszinssatz (B2C). Laufen ab Verzugseintritt täglich. Können in jeder Mahnung ausgewiesen werden.

Taggenau ab Verzugsbeginn
Individuelle Mahngebühr
Vertraglich oder AGB

Kann vertraglich oder in AGB vereinbart werden (z.B. €5–15 pro Mahnung). Muss verhältnismäßig sein. Ohne vertragliche Basis nur eingeschränkt durchsetzbar.

Nur mit vertraglicher Grundlage

6 häufige Fehler im Mahnwesen

Diese Fehler kosten Selbstständige jedes Jahr bares Geld — und sind alle vermeidbar.

Zu langes Warten

Viele Selbstständige mahnen erst nach Wochen. Je länger gewartet wird, desto schlechter wird die Zahlungswahrscheinlichkeit — und desto mehr Liquidität fehlt.

📝

Fehlende Pflichtangaben

Eine Mahnung ohne Rechnungsnummer, Fälligkeitsdatum oder Kontoverbindung ist rechtlich angreifbar. Im Streitfall kann das zum Problem werden.

🧮

Verzugszinsen nicht geltend machen

Der Anspruch auf Verzugszinsen besteht von Gesetzes wegen — aber nur wenn er auch eingefordert wird. Viele Rechnungssteller verzichten unnötigerweise darauf.

📧

Keine Dokumentation

Ohne Nachweis des Versanddatums und -inhalts ist eine Mahnung im Streitfall schwer zu belegen. GoBD-konforme Protokollierung ist essenziell.

🤝

Unprofessioneller Ton

Zu aggressiv formulierte Mahnungen schaden der Geschäftsbeziehung. Zu freundlich formulierte werden nicht ernst genommen. Der richtige Ton ist entscheidend.

📉

Keine Eskalationsstrategie

Wer immer dieselbe Mahnung verschickt, zeigt dem Schuldner, dass keine echten Konsequenzen folgen. Eine klare Eskalationslogik erhöht die Zahlungsquote.

Kein manuelles Mahnwesen mehr

Dunify übernimmt alles — automatisch und rechtssicher

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Häufige Fragen zum Mahnwesen

Praxisnahe Antworten auf die Fragen, die Selbstständige am häufigsten stellen.

Hinweis: Die Inhalte dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Rechtsberatung. Im Einzelfall empfehlen wir die Konsultation eines Rechtsanwalts oder Steuerberaters.